Geschichte

Kurzfassung / TL;DR

Unsere katholische Studentenverbindung Aargau gibt es nun seit (mehr als) 110 Jahren (je nachdem wann du diese Seite aufrufst). Gegründet wurden wir als Verbindung für den Adel.. nachdem es diesen nun nicht mehr gibt (bis auf die paar Habsburger in Österreich) sind wir offen für „Normalsterbliche“ und bestehen auch zu nahezu 100% aus solchen Mitgliedern. Während des zweiten Weltkrieges kämpften unsere Mitglieder im österreichischen Widerstand gegen die Nazis und einige sind dort oder in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. Glücklicherweise haben auch einige überlebt und so unsere Verbindung wieder reaktiviert (in der NS-Zeit waren alle Verbindungen verboten) und die nachfolgenden Generationen haben diese – bis heute! – am Leben erhalten.

Soviel zur Kurzfassung.. für die ausführlichen Details kannst du die folgenden Absätze lesen!

 

Gründungsphase

Nach den Vorstellungen von Fritz Zuleger (AW), die dieser im Sommer 1908 entwickelte, sollte in Wien eine Reformverbindung mit vermindertem Kneipbetrieb und neuen geistigen Zielen entstehen, um das katholische Couleurstudententum auch für den Adel und das gehobene Bürgertum attraktiv zu machen. Mit dem von ihm gewählten Verbindungsnamen „Habsburg“ und auch mit den Verbindungsfarben – schwarz-gelb-blau – wollte er die Treue zur habsburgischen Monarchie zum Ausdruck bringen. Er gewann für sein Vorhaben Oskar Katann, einen ehemaligen Mitschüler, der kurze Zeit Fux bei Norica Wien gewesen war, sowie mit Dr. Alois Plöchl, Joseph Plöchl, Konradin Nagl und Dr. Joseph Matthis vier Alte Herren der Austria Wien. Dr. Plöchl stellte auf dem BC der Austria am 22. Oktober 1908 den Antrag auf Neugründung einer Verbindung. Ihm wurde mit der Auflage zugestimmt, dass binnen zwei Wochen ein entsprechender Gründungsfonds beigebracht werde. Dies gelang Zuleger durch seine Beziehungen zum Adel, insbesondere zu Dr. Albin Frhr. v. Spinette, Gräfin Henriette Chotek und Max Reichsfrhr. Vittinghof-Schell (AW). Nach der Zustimmung der Austria arbeitete Zuleger Satzungen und Geschäftsordnung der neuen Verbindung aus. Als die Vereinsbehörde den Verbindungsnamen nicht bewilligte, weil er geschützt war, benannte Zuleger die Neugründung nach dem Schweizer Kanton Aargau, da dort mit der Habichtsburg der Stammsitz der Habsburger gelegen hatte. Als Farben sah er schwarz-gelb-blau vor; das Blau wurde bald durch Grün ersetzt. Als Kopfcouleur trugen die Verbindungsmitglieder zunächst Stürmer. Am 7. Januar 1909 wurde Aargau im Café „Burgtheater“ konstituiert, Fritz Zuleger zum Gründungssenior gewählt und Oskar Katann als erster Fux rezipiert.

Anschluss an den CV – Die Aufbauphase

Am 20. Februar 1909 wurde Aargau als Tochterverbindung der Austria Wien sofort vollberechtigte CV-Korporation. Schon nach kurzer Zeit gelang es dem zwischenzeitlich gegründeten „Verein Aargauheim“, ein Verbindungsheim am Bennoplatz 8, 8. Bezirk, einzurichten, eingeweiht beim 1. Stiftungsfest am 9./10. Dezember 1909. Die Ausrichtung Aargaus auf den Adel fand 1911 durch eine Ausrichtung auf die „arbeitenden Stände“ eine Ergänzung; die Verbindung betätigte sich nunmehr sozialstudentisch, indem sie mit dem Gesellenverein Wien in Kontakt trat und im WS 1911/12 ein Amt für Vortragswesen einrichtete. 1912 gründete Aargau einen Altherrenverband, dessen Leitung Dr. Albin Frhr. v. Spinette übernahm. Zwischen der Altherrenschaft und der Aktivitas entstanden 1913 Konflikte, in deren Folge der Altherrenverband wieder aufgelöst und durch einen von der Aktivitas gewählten Altherrenausschuss ersetzt wurde. Diesem gehörten Univ.-Prof. P. Dr. Nivard Schlögl O. Cist. (Nc), Dr. Hans Karger und Dr. Fritz Rupprecht an.

Die Entwicklung Aargaus während des 1.Weltkrieges

Der Kriegsausbruch beendete vorerst die positive Entwicklung Aargaus. Der Couleurbetrieb konnte nur notdürftig aufrechter halten werden. Auf der Bude wurde eine Zweigstelle für die Liebesgabensammlung des CV in Österreich eingerichtet. Die drei Kriegstoten Aargaus waren noch 1914 zu beklagen. Im SS 1916 übernahm eine „Kriegskommission“ die Verbindungsgeschäfte. Im August 1916 musste das Heim aus finanziellen Gründen aufgegeben werden; die Verbindung kam in „Schneiders Gasthof“, Stumpergasse 12, 6. Bezirk, unter. Ende 1917 erhielt Aargau ein Heim im Kloster der Minoriten, Alserstraße, 9. Bezirk, das nach Lösung des Heizungsproblems im Februar 1918 bezogen wurde. Zum SS 1918 löste sich der Kriegsausschuß auf, da wieder ein regelmäßiger Verbindungsbetrieb möglich war. Mitte Juni 1918 beging Aargau das 10. Stiftungsfest.

Die Mrazek-Krise

Im November 1918, nach Kriegsende und Zusammenbruch der österreichisch- ungarischen Monarchie, erlangte Aargau das Aufzugsrecht auf der Universität. Wenig später geriet die Verbindung in der Frage um die Respektierung der österreichischen Republik in eine innere Krise: Senior Wenzel Mrazek war monarchistisch eingestellt, woraufhin der Verbindung das Heim im Minoritenkloster gekündigt wurde. Das Ersatzheim, ein Zimmer in einer Professorenwohnung in der Keilgasse 7, 3. Bezirk, konnte nur am Sonntagvormittag genutzt werden; eine wirkliche Budentätigkeit war ausgeschlossen. Republikanisch gesinnte Aargauer stellten sich schließlich gegen den Senior, wählten für das SS 1919 einen Senior aus ihren Reihen und beschlossen, den Burschenconventen des Mrazek-Semesters ihre Gültigkeit abzusprechen. Die bestehende Staatsform wurde nunmehr ausdrücklich anerkannt. Aus Gründen der Tradition blieb es aber beim bisherigen Verbindungsnamen und -wappen. Im Mai 1919 rekonstituierte sich der Altherrenverband mit 35 Alten Herren. Seine Leitung übernahm P. Dr. Schlögl, der das Amt jedoch noch im gleichen Jahr an Dr. Ludwig Mally abtrat, der bis 1936 Philistersenior blieb, als Dr. Hans Karger die Nachfolge antrat. Im Juni 1919 wurde bei den Piaristen in der Florianigasse 29, 8. Bezirk, eine neue, größere Bude bezogen.

Von der Blütezeit bis zum Verbot

Nach dem Mrazek-Semester erneuerte Aargau die soziale Ausrichtung, pflegte das Vortragswesen und veranstaltete wöchentliche Sprechabende. Mehrere Aargauer Philister betätigten sich auf sozialpolitischem Gebiet: Dr. Karl Kummer war Mitgründer der „Kath. Sozialakademie und des Instituts für Sozialreform und Sozialpolitik“; Dr. Karl Lugmayer wirkte auf dem Gebiet sozialer Arbeit, insbesondere der Volksbildung; Dr. Lorenz Linseder, Sekt.-Chef im Sozialministerium, begründete das Arbeitsinspektorat in Österreich; Josef Gegenbauer war Zentralpräses des Wiener Gesellenvereins; auch sein Nachfolger, Johann Schneider, war Aargauer. Ab WS 1920/21 erhielt die Verbindung zunehmend Nachwuchs aus Oberösterreich. 1923 verlieh man erstmals das Aargau-Dankband. Im WS 1924/25 fand im Rahmen des 16. Stiftungsfestes eine erste Aargau-Tagung statt. Beim 22. Stiftungsfest im Dezember 1930 weihte die Verbindung ein neues Heim in der Thurngasse 10, 9. Bezirk, ein. Hier wurde der Couleurbetrieb bis März 1938 durchgeführt. Am 23. März 1933 nahm der Wiener Kardinal Dr. Theodor Innitzer das Ehrenband an, und im Dezember 1933 erhielt der österreichische Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß (F-B) das Aargau-Band. Viele Aargauer beteiligten sich an dessen „Vaterländischer Front“. Am 10. Juli 1933 verband sich Aargau in Abschaltung vom CV mit den anderen österreichischen CV-Verbindungen zum [3.] ÖCV und ersetzte in der Verbindungsbezeichnung das Wort „deutsch“ durch „österreichisch“. Letzter Senior zur Zeit des Anschlusses Österreichs an Deutschland im März 1938 war Gerhard Hermann, der die Verbindungsgeschäfte inoffiziell bis 1939 weiterführte. Fahne und einiges Archivmaterial konnten vor dem Zugriff der SA, die die Bude besetzte, gerettet werden. Während der Verbotszeit dienten Zusammenkünfte vor allem in Privatwohnungen dem Zusammenhalt der Aargauer. Opfer des Nationalsozialismus wurde 1940 der Aargauer Albert Proschaska.

Die Wiederbegründung

Nach der Verbotszeit setzten sich insbesondere Dr. Hans Karger und Dr. Gerhard Hermann für die Wiederbelebung Aargaus ein. Am 28. August 1946 rekonstituierte sich die Aktivitas mit einem ersten BC im Restaurant „Rieder“ bei der Paulanerkirche, 4. Bezirk. Ferdinand Neugebauer wurde zum ersten Nachkriegssenior gewählt; Philistersenior blieb Dr. Karger. Im Mai 1947 feierte Aargau das erste Stiftungsfest der Nachkriegszeit.

Unsere Buden

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war zunächst das Restaurant „Rieder“ Verbindungssitz. 1949 bezog Aargau eine Bude in der Albertgasse 43/I, 8. Bezirk. Von dort zog Aargau 1959 in das Kolpinghaus, Gumpendorfer Straße, um. 1960 fand die Korporation in der Lange-Gasse 76, 8. Bezirk, eine neue Bude. Nach Renovierungsarbeiten konnte dort zum WS 1960/61 der Verbindungsbetrieb aufgenommen werden. Seit 1968 hat Aargau im CV-Haus, Lerchenfelderstraße 14, eine Bude.

Aargaus jüngere Entwicklung bis zur Gegenwart

In der ersten Nachkriegszeit pflegte Aargau wieder intensiv die Vortragstätigkeit. In den 1950er Jahren engagierten sich mehrere Aktive in der Hochschulpolitik und hatten in der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) führende Positionen inne. 1954 erhielt Aargau wieder das Aufzugsrecht. Vier Jahre später beschloss die Korporation, das Farbentragen in der Öffentlichkeit auf bestimmte Großveranstaltungen zu beschränken. Nach einem Bändertausch mit Nordgau Wien und Alpenland Wien kam es 1966 zu einer ebensolchen Freundschaftsbekundung mit Rupertia Regensburg. Nach dem 60. Stiftungsfest 1968 machte sich die Studentenbewegung bemerkbar. 1970 wurde die Lage der Verbindung als „ernst und alarmierend“ charakterisiert, nachdem innerhalb von drei Semestern die Aktivenzahl von 71 auf 48 gesunken war. Mitten im WS 1970/71 wurde das Semesterprogramm aufgehoben; eine „Aargautagungsgruppe“ versuchte, mit Arbeitskreisen dem Desinteresse der Bundesbrüder entgegenzuwirken. Ab Mitte der 1970er Jahre entwickelte sich das Verbindungsleben wieder positiv; die Bude konnte um neue Räume erweitert werden. In der Folgezeit baute Aargau die freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Verbindungen aus, so zu Hercynia Freiburg i. Br. und zu Austro-Danubia Linz.


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